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30 Jahre Grüne im LWV Hessen


Als im Dezember 1981 die beiden ersten Grünen Abgeordneten Irmela Wiemann und
Dorothea Kerschgens ihre Plätze in der Verbandsversammlung einnahmen, konnte noch niemand ahnen, dass 30 Jahre später diese Fraktion auf 13 Plätze angewachsen ist bzw. das Experiment der Grünen sich zu einer Erfolgsgeschichte ausweitet.

Den größten Zeitraum in den 30 Jahren verbrachten wir innerhalb der Verbandsversammlung als Opposition. Erst seit 2005 befanden wir uns in einer direkten Regierungsverantwortung, vertreten durch unsere erste Beigeordnete, Evelin Schönhut-Keil. Allerdings hielten wir bereits 1986 einen kleinen Zipfel der Macht in der Hand, als wir über einen Zeitraum von über 12 Monaten Koalitionsverhandlungen führten, in dieser Zeit die Ehre hatten, sämtliche Beigeordnete und den Landesdirektor abzuwählen, um – wie sich im nachhinein herausstellte – den Weg frei zu machen für eine große Koalition unter der Leitung von Landesdirektorin Irmgard Gärtner.

Schauen wir in die seinerzeitigen Verhandlungspapiere bzw. Positionspapiere, so finden wir sehr vertraute Vokabeln wie effiziente Strukturveränderungen, ganzheitlicher Ansatz, Klientenzentrierung, systematische Planung mit Erfolgskontrolle mit Unterstützung der Selbsthilfebewegung, Ressourcennutzung, Hilfe aus einer Hand, Vereinheitlichung von stationärer und ambulanter Betreuung, Ausgliederung von Menschen mit geistiger Behinderung aus der Psychiatrie, Aufbau gemeindenaher, ambulanter Versorgungsstrukturen, Rekommunalisierung. Im großen und ganzen Vokabeln, die weiterhin den politischen Diskurs in der Verbandsversammlung bestimmen und uns scheinbar unendlich auch die nächsten 30 Jahre begleiten werden. Wir sind damals angetreten, aufgeladen durch die bedeutsamen Erkenntnisse der Psychiatrieenquete, grundlegend die Hilfen für Menschen mit Behinderungen sowie die psychiatrische Versorgung im Lande Hessen neu zu denken und neu zu organisieren. Wir fühlten uns nicht den unterschiedlichen Interessengruppen verpflichtet, die als Lobbyisten politisch mit gestalteten, den Gewerkschaften, der Liga, den Kreistagen, sondern wir fühlten uns verpflichtet den Betroffenen gegenüber. So entstand bzw. entfaltete sich die Idee nachhaltiger, gemeindenah organisierter klientenzentrierter Hilfestrukturen, die das Ganze im Blick hatten. Dieser durchaus logische Denkansatz wurde sukzessive von großen Teilen der Abgeordneten der Verbandsversammlung übernommen, mit dem Ergebnis, dass wir selbst als Oppositionspolitiker viele Möglichkeiten hatten, inhaltlich Einfluss zu nehmen auf die Ausgestaltung der Eingliederungshilfen im Lande Hessen. Dass die Vokabeln und Themen immer noch aktuell sind macht deutlich, dass Entwicklungen immer nur sehr langsam, schrittweise unter Mitnahme aller umzusetzen sind, dass der eingeschlagene Weg ein guter war und auch zukünftig mit der selben Beharrlichkeit Politik im Interesse der Betroffenen erfolgreich umgesetzt werden kann.

Mit Übernahme der Regierungsverantwortung haben sich unsere Gestaltungsspielräume zwar erweitert, aber die Rolle hat sich nicht vereinfacht. Logische Denkansätze sind in reale Politik umzusetzen, und in Form von Handlungsansätzen, Handlungsanweisungen innerhalb der Verwaltung im Dialog mit den Trägern des Verbandes sowie den Umsetzern vor Ort zu entwickeln und zu verantworten, ist nicht einfach. . Die Kunst besteht darin, die vorhandenen PS auf die Straße zu bringen und nicht den roten Faden zu verlieren. Mit der Einführung der Umsetzung eines konsequenten personenzentrierten Ansatzes kommen wir unseren politischen Zielen, einen nachhaltigen, gemeindenahen, niederschwelligen Hilfeansatz im Lande Hessen zu entwickeln mit großen Meilenschritten immer näher. Genauso bedeutsam war die Umsetzung und Loslösung der Einrichtung des LWVs in eigenständige GmbHs, die Schaffung von Vitos, welche für die Weiterentwicklung der Standorte, der Hilfen für die betroffenen Menschen selbst diesen Einrichtungen und Diensten des LWVs eine große Zukunft verspricht.

Als Fazit lässt sich festhalten: Zu den Gründungsszenarien der Grünen gehörte ja die Beantwortung der Frage, ob man Politik auf und über die Straße oder in den Parlamenten machen sollte. Diese lässt sich positiv beantworten. Wir denken, dass in den vergangenen 30 Jahren es sich gelohnt hat, Grüne Ideen im Sinne einer nachhaltigen Politik für Menschen mit Behinderungen im Lande Hessen in dieses Parlament eingebracht zu haben und wir möchten die Gelegenheit wahrnehmen, uns bei allen zu bedanken, die uns dabei mit Rat, Tat, Unterstützung und auch kritischen Anmerkungen zur Seite gestanden haben.