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13.12.2013

FSC(Forest Stewardship Council)-Antrag

Bettina Hoffmann und Reinhard Deutschendorf

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete der Verbandsversammlung,

ich spreche zu dem gemeinsamen Antrag der Fraktionen CDU und Bündnis 90/Die Grünen: Angestrebte FSC-Zertifizierung der Stiftungsforsten Kloster Haina (Drucksache Nr. XV/61) und möchte ihn begründen.

Hessen ist eine vielfältige Mittelgebirgslandschaft, die natürlicherweise überwiegend von weiten Buchenwäldern bedeckt wäre. Das Bundesland liegt im Zentrum des Weltverbreitungsareals der Rotbuche und hat eine globale Verantwortung für den Schutz dieses Ökosystems. Aktuell sind etwa 42 Prozent Hessens (894.806 ha) von Wald bedeckt. Die Buchenwälder sind überwiegend forstwirtschaftlich überformt.

Echte Urwälder sind mit Ausnahme von Relikten nicht mehr vorhanden. Urwaldähnliche Wälder entwickeln sich in nutzungsfreien Schutzgebieten wie im Nationalpark Kellerwald-Edersee, außerdem in Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön, in Naturwaldreservaten und Altholzinseln. Sie machen allerdings nicht mehr als 1 Prozent der hessischen Gesamtwaldfläche aus. Dies reicht nicht, um die biologische Vielfalt hessischer Wälder zu sichern. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist von existentieller Bedeutung für das menschliche Leben. Der Schutz der biologischen Vielfalt hat in Deutschland Verfassungsrang (Artikel 20a).

Traditionell und rechtlich hinterlegt hat der Wald in Deutschland mindestens drei wichtige Funktionen zu erfüllen: ja, er stellt ein wirtschaftliches Vermögen dar, das seinen Eigentümern Erträge bringen soll. Aber der Wald steht zudem den Menschen als Erholungsraum (Tourismus) frei zur Verfügung und nicht zuletzt dient er in vielfältiger Hinsicht dem Schutz der natürlichen Ressourcen – Flora und Fauna, Luft, Wasser, Boden und vielem mehr.

Das neue Naturschutzgesetz fördert einen effektiven Naturschutz und betont den Eigenwert der biologischen Vielfalt. Im Angesicht der Gefährdungssituationen von Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten in Hessen besteht dringender Handlungsbedarf, um den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten.

Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt der Bundesrepublik Deutschland (beschlossen in der großen Koalition!) sieht daher vor, dass sich bis zum Jahre 2020 die Natur auf 2 Prozent der Gesamtfläche wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten ungestört entwickeln kann. Der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung soll mindestens 5 Prozent der gesamten Waldfläche und mindestens 10 Prozent der Staatswaldfläche betragen. Auf mindestens 80 Prozent der Waldfläche soll eine naturschutzoptimierte Waldbewirtschaftung über eine Zertifizierung nach hochwertigen ökologischen Standards gewährleistet werden.

FSC (Forest Stewardship Council) wurde 1993 in Folge des Umweltgipfels von Rio gegründet. Ziel des FSC ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Waldbewirtschaftung weltweit zu leisten. Die Förderung des nachhaltigen Managements von Wäldern durch ein internationales Zertifizierungsschema für Holz und Holzprodukte soll dieses gewährleisten.

In Zeiten, in denen den Konsumenten die belegbare Herkunft und eine gesicherte gute Qualität von Produkten, seien es Lebensmittel, Autos oder Kleidung für ihre Kaufentscheidung wichtig sind, gewinnt eine Zertifizierung von Holz und Holzprodukten ohne Zweifel eine hohe Priorität.

Unterstützt und getragen wird FSC von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen wie Umweltverbänden, Gewerkschaften, Waldbesitzern und Verbänden der Holzwirtschaft. Wichtigstes Merkmal des FSC ist die Schaffung eines Ausgleichs zwischen Umweltinteressen, sozialen Belangen und den wirtschaftlichen Ansprüchen an den Wald. Von Öko-Test (11/2002) wurde FSC mit „sehr gut“ bewertet (PEFC Pan-European Forst Certification Council: „ausreichend“). Weltweit sind bereits 168,36 Millionen ha Waldfläche nach FSC zertifiziert (Stand: Januar 2013), deutschlandweit sind es 586.631 ha.

Kriterien FSC: natürliche Waldgesellschaft als Leitbild, 10 Biotopbäume/ha, Sicherung von Totholz, keine Chemie, 5 Prozent nicht bewirtschaftete Referenzflächen, Naturverjüngung der Hauptbaumarten, angepasster Wildbestand, keine Nutzung von Waldrestholz u.a.

Mit rund 7.500 ha ist der LWV einer der großen Waldbesitzer in Hessen. Als öffentlicher Träger haben wir im Rahmen der Waldbewirtschaftung eine wichtige Vorbildfunktion.  Zukünftig soll die Zertifizierung daher mindestens den FSC-Standards entsprechen. Der Leitende Forstdirektor Herr Albus und das gesamte Team der Stiftungsforsten bewirtschaften unseren Wald seit vielen Jahren verantwortungsvoll und unter Berücksichtigung des Schutzes mit dem Schwerpunkt auf der Wirtschaftlichkeit. Dafür an dieser Stelle ein besonderes Danke schön.

In diesem Team sind bereits seit langem die Kenntnisse und Erfahrungen vorhanden, die geforderten Zertifizierungskriterien und Parameter bei der Waldbewirtschaftung zu berücksichtigen.

Nach Aussage der Stiftungsforsten erfolgt die forstliche Bewirtschaftung sogar bereits weitgehend analog der FSC-Kriterien. Eine entsprechende Zertifizierung wird daher von uns folgerichtig als Auszeichnung angesehen.

Eine Referenzfläche von 5 Prozent wird derzeit allerdings nicht eingehalten. Sie ist Teil der Bewirtschaftung nach FSC und Voraussetzung für ihre ständige Evaluation im Sinne der Nachhaltigkeit. Die Einführung von FSC kann dementsprechend auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Nutzungsrechten, die sich aus der Stiftungsurkunde ergeben könnten, widerspricht sie nach Ansicht der Grünen nicht. Um Zweifel auszuräumen haben wir uns auf ein Gutachten verständigt, das diese Frage klären wird. Gleichzeitig sollte das sogenannte Voraudit jetzt eingeleitet werden, um eventuelle Belastungen der Wirtschaftlichkeit in diesem Gutachten ansatzweise bewerten zu können. Der Umstellungsprozess soll zeitnah begonnen und die ersten Untersuchungen durchgeführt werden. Dieser Prozess wird durch eine Arbeitsgruppe bzw. die Forstkommission begleitet werden.

Meine Damen und Herren, ich bitte um Ihre Zustimmung zu diesem Antrag und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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